AutographDie sogenannten „Kegelduette“ von Mozart haben eine sehr verworrene Geschichte; sie komplett aufzudecken wird wahrscheinlich unmöglich sein. Der große Umfang der Stücke, die fehlende Bezeichnung der Instrumente und gegebenenfalls auch der Tonart, der Tonvorrat und die verstrickte Editionsgeschichte werfen einige Fragen und Probleme auf, welche ich folgend kurz zu skizzieren versuche.

Das erhaltene Autograph

Die zwei beidseitig beschriebenen Blätter des erhaltenen Autographs beinhalten unter anderem die Duette Nummer 1, 3 und 6. Die Seiten befinden sich im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde Wien. Von den anderen Stücken ist kein Autograph vorhanden. Die erhaltenen vier Seiten sind mit dem Titel von Wolfgang Amadé Mozart Wien den 27. Jullius 1786 überm Kegelscheiben überschrieben (die Schrift ist teilweise nur schwer zu lesen; es könnte auch Abweichungen geben). Die Stimmen sind nicht untereinander in einer Partitur notiert, sondern in zwei separaten Stimmen. Neben den drei Duetten gibt es noch einige Versuche bzw. Skizzen auf den Blättern. Das könnte verschiedene Gründe haben:

  • die Blätter wurden, eventuell später, zu schnellen musikalischen Notizen verwendet;
  • andere Anwesende könnten sich an Kompositionen versucht haben oder haben probiert, bekannte Kompositionen aufzuschreiben;

Auflistung der Noten und Melodien, welche nicht eindeutig den 12 Duetten zuzuordnen sind

Blatt 1: Nach dem Duett Nr. 3, sofort nach dem Ende der zweiten Hornstimme, ist der Rest der Seite (5 Notenzeilen) mit musikalischen Skizzen beschrieben.

Blatt 2: Zwischen den beiden Hornstimmen des Menuett Nr. 6 ist eine Zeile mit einer Melodie beschrieben. Unter dem Trio sind sieben Töne notiert, e‘, g‘, c‘‘, d‘‘, e‘‘, f‘‘, g‘‘. Dies könnte die Notation der Naturtonreihe sein. Falls ja, könnte es den Erklärungsversuch der Funktionsweise des Horns darstellen.

Blatt 3: Zwischen dem ersten Horn (Allegro Nr. 1) und dem zweiten Horn gibt es ca. zwei Zeilen notierter Notizen; allerdings direkt anschließend an das erste Horn und mit Wiederholungszeichen. Es könnte sein, dass es eine Weiterführung der ersten Hornstimme ist; jedoch fehlt die zweite Stimme dazu in der Parallelstelle im zweiten Horn.

Blatt 4: Beinhaltet diverses Notenmaterial und teilweise im Bassschlüssel, manches mit Vorzeichen, was für die Notation von Horn in dieser Zeit eher unüblich war (meist wurden die Vorzeichen direkt vor die Töne gesetzt).

Unterschiede zwischen dem Autograph und der Neuen Mozart Ausgabe (NMA)

Im Andante (Nr. 3): Im Autograph sind die Vorschläge in der ersten Hornstimme als durchgestrichene (= kurze) Achtel-Vorschläge notiert, in der NMA sind es Sechzehntel-Vorschläge. In der Praxis gibt es wohl kaum einen Unterschied. Im Takt 11 ist ein Triller in der Ausgabe der NMA hinzugefügt.

Menuett (Nr. 6): Takt 7, 2. Horn, im Autograph gibt es hier noch ein notiertes h‘.

Takt 10, 2. Horn, Tintenkleks, undeutlich.

Takt 18, 1. Horn Schlag drei, ev. e‘‘?

Die Editionsgeschichte

1. Edition

Die beiden ersten Ausgaben, welche die Duette druckten, wurden vom Wiener Verlag Bureau d‘arts e d‘industrie (1802) und vom Pariser Verlag Imbault (ca. 1810) verlegt. Dies ist so im Buch Das Horn bei Mozart von Hans Pizka (S. 215) zu finden.

Im späten 19. Jahrhundert war die Technik, sehr hoch zu spielen (die Clarin- Technik) nicht mehr verbreitet. Da wohl die einzigen „Hörner“, welche den Umfang vor allem in der Höhe spielen konnten (bis zum g‘‘‘), die Bassetthörner waren, veröffentlichte die alte Mozart-Ausgabe die Duette als Duette für zwei Bassetthörner (1892). So traten mit dieser Ausgabe die Bassetthörner in den Vordergrund. Im Vorwort der Ausgabe von 1892 schreibt Paul Graf Waldersee, dass Köchel selbst die Duette ohne genaue Bezeichnung, aber unter der Kategorie Violin-Duette veröffentlichte. Außerdem beschreibt er, dass dies bei Köchel aber nur eine stilistische Entscheidung war und die Duette sich im Umfang und Charakter für Violinen am besten eigneten. Eigentlich ist es sicher, dass es aufgrund der ungewöhnlichen Notation (Bassschlüssel im zweiten Instrument) nicht für zwei Violinen komponiert wurde. In der Neuen Mozart Ausgabe (1974) wurden sie als Duette für zwei Hörner herausgegeben und Marius Flothuis beschreibt im Vorwort dies auch in ausführlicher Weise.

Der Umfang

Im Werk Mozarts konnte der Autor, außer in den vorliegenden Duetten, keine Töne über dem notierten dreigestrichenen C (16. Naturton) finden. Deshalb scheint es ungewöhnlich, dass Mozart bis zum notierten dreigestrichenen G (24. Naturton), also eine Quinte darüber, komponierte. Allerdings ist es in der Zeit des Barocks und auch noch bis ins 19. Jahrhundert durchaus üblich, in der sogenannten Clarin-Technik zu spielen. Darunter versteht man das Spiel in den höchsten Naturtönen. Dabei wurde bis zum 24. Naturton komponiert. So zum Beispiel Zelenka in seinem Capriccio ZWV 182. Auch Mozarts Vater Leopold sowie Anton Reicha, Johann Georg Neruda, Josef Haydn und andere Komponisten verwendeten das Horn in dieser Lage.

Die fehlende Bezeichnung der Instrumente

Die Tatsache, dass Mozart dieses Werk nicht in sein eigenes Werkverzeichnis aufgenommen hat, lässt die Vermutung zu, dass er diese Stücke aus einer Laune heraus und vielleicht auch im Gespräch über die Hornstimmen (vielleicht beim Kegelspiel mit einem anwesenden Hornduo, von der Zeit her wären denkbar Carl Türrschmidt und Johann Pansa, auch wenn es keine konkreten Indizien dafür gibt) komponiert hat. Vielleicht finden sich auf den restlichen, nicht auffindbaren Seiten des Autographs die Stimmangaben: der Pariser Verleger Imbault schrieb nämlich corno primo und corno secondo.[7] Dies lässt auch noch Bassetthörner als mögliche Instrumente zu, obwohl da die Bezeichnung corno da bassetto üblich gewesen wäre. Marius Flothuis argumentiert, dass die wissenschaftliche Untersuchung nicht den Beweis zu erbringen hätte, dass mit corno das Bassetthorn gemeint ist, sondern dass zuerst die Bezeichnung corno wörtlich zu nehmen ist und erst bei zwingendem Ausschluss der Hörner als Instrumente die Frage gestellt werden muss, ob es auch andere Instrumente sein könnten.

Tonart

Wenn man davon ausgeht, dass die Kompositionen für Horn geschrieben sind, stellt sich die Frage, in welcher Tonart die Duette gespielt wurden und werden sollten. Möglicherweise hat Mozart den Hornisten bewusst die freie Wahl gelassen, damit sie die passenden Bögen aussuchen können. Bei den Nummern 1, 3, 6 und 7 eignen sich wohl eher lange Bögen, zum Beispiel C-Basso oder B-Basso (zu beachten sind dabei aber die dadurch entstehenden Schwierigkeiten im zweiten Horn). Dadurch relativiert sich die entsprechende klingende Tonhöhe und erleichtert das Spiel deutlich. Für die anderen Duette (bis zum 16. NT) eignen sich mehrere Transpositionen; wegen der generellen Häufigkeit in Mozarts Solowerken für Horn sind D und Es hervorzuheben.

Mögliche Tonarten der einzelnen Duette, vom Autor vorgeschlagen:

Nr. 1: C-Basso, Nr. 2: F, Nr. 3: C-Basso, Nr. 4: Es, Nr. 5: D, Nr. 6: B-Basso, Nr. 7: C-Basso, Nr. 8: Es, Nr. 9: C-Basso, Nr. 10: B-Basso, Nr. 11: Es, Nr. 12: D

Aufnahmen


 

 

 

Autograph (1786)

1. gedruckte Ausgabe, Wien, Bureau d‘arts e d‘industrie (1802)